Kurzfassung: Das Doppelring-Tensiometer (DRT, Deutsches Patent AZ 10 2025 002.744, erteilt April 2026) misst Ober- und Grenzflächenspannung ohne empirische Korrekturfaktoren durch direkte Lösung der Young-Laplace-Gleichung — unter 1 mL Probenvolumen, experimentell bestätigt (Korrelation r = 0,9997). Im Submillimeterbereich bildet die kapillare Grenzfläche zusätzlich eine nahezu perfekte adaptive Optik (Strehl-Verhältnis 0,999). Anwendungen: Tensiometrie, Mikrooptik, Gassensorik, MEMS. Lizenzpartner gesucht; Patenteinsicht vor der amtlichen Veröffentlichung (Feb. 2027) unter NDA möglich.
IMETER · Messtechnik · Patent
Kapillarphysik neu instrumentiert:
das Doppelring-Tensiometer
Von der Grenzflächenspannung zur adaptiven Optik — ein Patent, das Grenzen verschiebt.
Das Doppelring-Tensiometer (DRT) ist eine erteilte Erfindung, die die Ringmethode nach Du Noüy von einem näherungsweisen Messverfahren in ein metrologisch exaktes und zugleich miniaturisierbares Werkzeug verwandelt. Sie ist der erste Schritt einer physikalisch sehr wesentlichen Verallgemeinerung: die kapillare Grenzfläche als Instrument — für Messung, Optik und Sensorik.
1 Das Problem: 90 Jahre Korrekturfaktoren
Die Ringmethode misst Ober- und Grenzflächenspannung über die Maximalkraft beim Herausziehen eines Platiniridium-Rings aus einer Flüssigkeit. Seit ihrer Einführung Anfang des 20. Jahrhunderts beruht die Auswertung auf empirischen Korrekturfaktoren (Harkins & Jordan, Fox & Chrisman, Zuidema & Waters), die Näherungen für die zugrundeliegende Physik darstellen. Diese Faktoren:
- gelten nur für bestimmte Ring-Gefäß-Verhältnisse,
- versagen bei kleinen Probenvolumina und abweichenden Geometrien,
- führen zu systematischen Fehlern, die sich der Berechnung entziehen,
- und begrenzen die Miniaturisierung auf Labormaßstäbe.
Das Minimum an Probenvolumen für eine korrekte Ringmethoden-Messung wird in der Fachliteratur und von Geräteherstellern typischerweise mit 10 mL angegeben, in der Praxis mit 5 mL. Kleinvolumenmessungen waren bisher nur mit der optischen Hängende-Tropfen-Methode möglich — die Transparenz des Messfluids voraussetzt und keine direkte Kraftmessung liefert.
Warum wird die Young-Laplace-Gleichung, die die Physik der Grenzfläche exakt beschreibt, nicht direkt zur Auswertung verwendet — statt empirischer Tabellen?
Die Antwort des DRT: Sie wird es jetzt. Aber dazu war nicht nur eine andere Berechnung erforderlich, sondern eine neue apparative Grundlage.
2 Proof: 0,83 mL, Θ = 90°, Korrelation 0,9997
Im Juni 2025 wurde eine erste experimentelle Messung durchgeführt, die die Theorie direkt prüft: Wasser in einem Aluminiumgefäß (Ø18,75 mm, 3 mm tief), Probenvolumen 0,83 mL, Messring Ø13 mm. Die Auswertung erfolgte nach der DRT-Methode (Young-Laplace-Petzoldt) und zum direkten Vergleich nach den klassischen empirischen Verfahren.
Das Diagramm zeigt Messwerte und berechnete Werte für Wasser und n-Dekan - praktisch deckungsgleich.
Die Übereinstimmung von Theorie und Experiment wird an 0.83 mL Probe gezeigt.
Messergebnis bei 25,4 °C — Vergleich der Berechnungsverfahren
| Berechnungsverfahren | γ [mN/m] | Abweichung vom Sollwert | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Young-Laplace-Petzoldt (DRT) | 71,64 | −0,4 % | ✓ korrekt |
| Harkins & Jordan | 77,95 | +8,3 % | ✗ Fehlschätzung |
| Zuidema & Waters | 78,39 | +8,9 % | ✗ Fehlschätzung |
| Referenzwert Wasser | 71,91 | — |
Diese Messung ist bewusst unter ungünstigen Bedingungen durchgeführt worden: offene Atmosphäre, keine Dampfabsättigung, kein Temperierungsgefäß. Die erzielte Übereinstimmung ist damit umso aussagekräftiger. Die klassischen Korrekturfaktor-Methoden liefern für diese Geometrie Fehlschätzungen von über 8 % — vollständiges Versagen außerhalb ihres Gültigkeitsbereichs.
Dokument dazu: DRT-Test-Wasser-1mL.pdf .
Abb. 1: Lamellenauszug Wasser, Gefäß Ø 20 mm.
Kraft, Grenzflächenkontur, Fläche und Flächenänderung.
Abb. 2: Lamellenauszug Galinstan (Flüssigmetall), Gefäß Ø 0.2 mm.
Skalierung von 20 mm zu 200 µm: dieselbe Physik.
Die animierten Darstellungen zeigen den vollständigen Lamellenauszug mit allen relevanten Größen für zwei Skalierungen: Labor (Ø20 mm, Wasser) und Mikro (Ø200 µm, Galinstan® [Legierung aus Gallium, Indium und Zinn]). Die identische Kurvenform über fünf Größenordnungen ist kein Zufall — sie ist die Signatur des Naturgesetzes.
3 Die unerwartete Konsequenz: Kapillaroptik aus erster Hand
Die konsequente Analyse des Grenzflächenprofils bei Fmax führt zu einer Einsicht, die in der Patentschrift sorgfältig ausgearbeitet ist: Im Submillimeterbereich nimmt die kapillare Grenzfläche beim Ringauszug naturgesetzlich eine nahezu perfekte sphärische Form an — berechenbar, reproduzierbar, kraftgeregelt.
Die Grenzfläche innerhalb des Rings bildet einen konkaven Hohlspiegel oder eine plankonkave Linse, deren optische Qualität aus der Young-Laplace-Gleichung herleitbar ist. Für eine repräsentative Konfiguration (Gefäßradius 100 µm, Ring 65 µm, Galinstan als Messfluid):
| Optische Größe | Plankonkave Linse (Wasser) | Hohlspiegel (Galinstan) |
|---|---|---|
| Strehl-Verhältnis bei Fmax | 0,999 | 0,999 |
| Numerische Apertur | 0,254 | 0,909 |
| Optische Auflösung (λ=500 nm) | 2,4 µm | 0,67 µm |
| Sphär. Aberration (LSA) | 0,44 µm | 0,11 µm |
| RMS-Formfehler | 0,0012 µm | 0,0012 µm |
| Brennweite (variabel) | 144–413 µm | 24–68 µm |
Ein Strehl-Verhältnis von 0,999 gilt als nahezu beugungsbegrenzte Optik. Der RMS-Formfehler von 1,2 nm übertrifft geschliffene Präzisionsoptiken. Diese Qualität entsteht nicht durch Fertigung — sie entsteht durch Physik. Die kapillare Grenzfläche ist im DRT-Regime eine sich selbst bildende, sich selbst kalibrierende, kraftgeregelte Präzisionsoptik.
Dies unterscheidet das DRT-Prinzip grundlegend von Elektrowetting-Flüssiglinsen (Varioptic, Optotune): keine Hochspannung, keine Durchschlaggefahr, keine Einschränkung auf bestimmte Fluid-Dielektrikum-Paare, und kein Verlust der Kraftrückkopplung bei Änderung der optischen Funktion.
Abb.3: Der Ring wird aus dem unteren Fluid heraus per Piezostapelaktuatoren bewegt und formt die Grenzfläche isochor - Akkomodation ohne Volumenänderung. -- Skizze eines gekapselten DRT Ø 200 µm, erschütterungsstabil, dicht, druckfest, lageunabhängig - für optische Zwecke.
4 Das Leuchtkomplexauge: eine DRT-Plattform
Im Submillimeterbereich werden Schwerkraft und Beschleunigung physikalisch bedeutungslos: Die Kapillarkräfte überwiegen die masseabhängigen Kräfte um viele Größenordnungen. Ein DRT dieser Baugröße ist damit lageunabhängig, erschütterungsunempfindlich und in beliebiger räumlicher Orientierung betreibbar.
Auf dieser Grundlage lässt sich ein Leuchtkomplexauge konzipieren: ein MEMS-basiertes Array aus DRT-Einheiten, das nach dem Vorbild des Insekten-Facettenauges (Ommatidium-Prinzip) mehrere Sinneszellen in einem Element vereint.
Ein DRT-Element als Ommatidium
Jede DRT-Einheit (Gefäßradius 100 µm, Messvolumen ~ 2 nL) kann gleichzeitig als:
- Adaptive Optik — kraftgeregelte Linse oder Hohlspiegel, Fokus im Millisekunden-Bereich einstellbar,
![Facetten- oder Komplexauge; oculus compositus (arktischer Krill; Bild Wikipedia)]()
- Grenzflächenspannungssensor — Fmax zeigt Grenzflächenaktivität trägheitslos an,
- Chemischer Sensor (Nase) — grenzflächenaktive Stoffe ändern Fmax messbar,
- Akustischer Sensor/Sender — die Grenzfläche als Membran für Schall und Ultraschall,
- Lichtquelle — Mikro-LED oder Quantenpunkt am oder unter der Grenzfläche
betrieben werden — aus einem einzigen, metrologisch kohärenten physikalischen Prinzip.
Machbarkeit und Herstellung
Die Herstellung erfolgt durch etablierte MEMS-Techniken (Lithographie, DRIE, Wafer-Bonding). Ringförmige Piezo-Stapelaktuatoren (Außen-Ø 100 µm, Innen-Ø 65 µm) aus PZT, AlN oder ZnO übernehmen Positionierung und Kraftmessung in einem Bauelement. Die Prozesse sind CMOS-kompatibel. Batch-Fertigung auf Wafer-Ebene ermöglicht 2D-hexagonale oder 3D-sphärische Arrays.
Gegenüber früheren Ansätzen mit elastischen Membranen (PDMS, Silikon) bietet die DRT-Grenzfläche entscheidende Vorteile:
| Eigenschaft | Elastische Membran | DRT-Kapillargrenzfläche |
|---|---|---|
| Optische Qualität | Materialabhängig, Hysterese | Physikalisch (Strehl 0,999) |
| Formgebung | Elastizität verzerrt | YLP-deterministisch, berechenbar |
| Kraftrückkopplung | Piezo-Spannung indirekt | Fmax = γ direkt |
| Chemosensorik | Nicht verfügbar | Intrinsisch über Fmax-Änderung |
| Fluidkompatibilität | PDMS-begrenzt | Sehr breit (inkl. Flüssigmetall) |
Kosten für erste Prototypen werden auf 5.000–50.000 € für 100-Facetten-Arrays geschätzt, in Massenproduktion < 1.000 € (vergleichbar DMD-Chips, Texas Instruments).
Anwendungsfelder
Adaptive Mikrooptik (Endoskopie, Mobilkameras, Laser-Fokussierung), multimodale Sensorarrays (Sehen, Riechen, Hören in einem Chip), Robotik und KI-Schnittstellen, Weltraum- und Tiefseeinstrumentierung (druckfest, lageunabhängig), Lab-on-a-Chip, Chromatographie-Detektoren, Brennstoffqualitätssensorik, Biophotonik und neuronale Interfaces.
5 Patentstatus und Lizenzierung
Das Deutsche Patent AZ 10 2025 002.744 (Anmeldung August 2025, Erteilung April 2026) schützt sowohl Vorrichtung als auch Verfahren. Eine Erweiterung auf europäisches und internationales Patent (EPA/PCT) wird vorbereitet.
IMETER ist kein Gerätehersteller im Industriemaßstab. Ziel ist es, das DRT-Prinzip durch Lizenzvereinbarungen in leistungsfähige Hände zu geben, die es in Produkte und Anwendungen übertragen können - in der Tensiometrie ebenso wie in der Mikrooptik, Sensorik und Medizintechnik.
Das Patent ist erteilt, aber noch nicht öffentlich zugänglich. Die amtliche Veröffentlichung durch das DPMA erfolgt voraussichtlich am 18. Februar 2027. Interessierte Partner können vor diesem Zeitpunkt vollständige Einsicht in Beschreibung und Ansprüche erhalten - und einen bedeutenden Zeitvorsprung nutzen - auf Anfrage unter NDA.
Kontakt:
Die allgemeine wissenschaftliche Grundlage der Erfindung: imeter.de — Theorie der IMETER-Ringmethoden M1/M2

